Ballard - EQHHPP - Flughafen München - Fuel Cells 2000 - Neunburg vorm Wald - Tupolev - WEIT
2. EQHHPP
1989 wurde "Euro-Québec Hydro-Hydrogen Pilot Project" gestartet,
das bis 1992 die technische und ökonomische Machbarkeit der Erzeugung,
der Handhabung, des transatlantischen Transports und der Anwendungen von
Wasserstoff untersuchte.
Bis 1998 wurden Anwendungstechnologien entwickelt und erprobt wie z.B.:
1. - Stadtbusse mit Flüssigwasserstoff und Verbrennungsmotor (Belgien,
Deutschland)
2. - ein Stadtbus mit Brennstoffzelle und Elektromotor in Italien
3. - drei Stadtbusse mit Hythane-Druckgasspeicherung in Québec
4. - Emissionstests mit einem Sektor einer LH2-Brennkammer eines Airbustriebwerks
5. - Studien über heutige Fahrzeug- und Flugzeugemissionen im
Vergleich zu Emissionen aus
H2-Antrieben am Beispiel von Los Angeles, London und München
6. - Studien über LH2-Transport-Container
Kanadische Ingenieure haben einen speziell auf die europäischen,
amerikanischen und japanischen Verhältnisse zugeschnittenen zylindrischen
High-Tech Transport- und Speicherbehälter ("Super E-Container") entwickelt.
Dieser soll ein Volumen von 100 Kubikmetern haben und eine Speicherdauer
von 60 Tagen ermöglichen. Nach Abnahme und Zertifizierung durch die
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin
werden die ersten Wasserstofftanks 1998 im Huckepackverfahren auf Europas
Straßen und Schienen direkt bis zum Kunden unterwegs sein. [Bahbout,
1997]
Langfristig soll Wasserstoff das Mineralöl in Japan im Verkehrsbereich
(rund 70 Mio. m3) ersetzen. Das japanische Ship Research Institute entwickelte
ein Konzept zur solaren Erzeugung von Wasserstoff. Demnach soll auf 12.000
Pontonkonstruktionen im Südpazifik Strom über Photovoltaik erzeugt
werden und daraus elektrolytisch und durch Verflüssigung jährlich
25 Mio. t LH2 gewonnen werden, das mit 270 großen Tankschiffen (je
125.000 m3) nach Japan transportiert werden soll.
Zur Realisierung dieses Vorhabens ist ein weiteres Projekt ins Leben
gerufen worden, das "Project World Energy Network Using Hydrogen" (WE-NET).
Dieses Projekt befaßt sich mit der Bereitstellung von erneuerbarer
Energie in Form von elektrolytisch erzeugtem Wasserstoff, der als LH2 mit
Tankschiffen nach Japan geliefert wird. Als Energiequellen und deren Nutzungen
werden Wasserkraft, Wind und Sonnenstrahlung betrachtet sowie Methanol,
Ammoniak oder Zyklohexane. Es läuft von 1993 bis 2020 mit einem Budget
von 5 Mrd. DM.
Zentraler Punkt und wesentliches Projekt beim "Euro-Québec Hydro-Hydrogen
Pilot Project" (EQHHPP) ist das James Bay-Projekt im Osten Kanadas bei
Québec, wo Wasserkraft mit Hilfe von Staudämmen Energie erzeugen
soll und bereits erzeugt.
Der Hochwasserüberlauf des Speichersees "La Grande 2" in der kanadischen
Provinz Québec hat eine Länge von 1500 m und eine Breite von
rund 120 m. Der Fluß La Grande mündet in den James Bay. Das
Bauwerk gehört zum Megaprojekt "James Bay", das weltweit zu den bedeutendsten
hydroelektrischen Entwicklungsvorhaben zählt und seit 1971 von der
Firma Hydro-Québec betrieben wird. Die Wasserkraftwerke sind das
ganze Jahr über in Betrieb, und gegenwärtig liegt die Erzeugungskapazität
bei etwa 30.000 Megawatt. Québec deckt damit 98% seines Strombedarfs
und versorgt zugleich die Industrieregionen im Nordosten der USA.
Ende der 90er Jahre sollte das Programm eigentlich auf vollen Touren
laufen. Da momentan jedoch Geld fehlt, wurde das Projekt verkleinert. Auf
Wunsch des Europaparlaments liegt seit Ende 1991 der Schwerpunkt auf der
Erprobung von Anwendungs- und Transporttechniken für Wasserstoff,
weiterhin gefördert von EU und der Regierung Québecs bis 1998.
Das hört sich beim ersten Eindruck sehr gut an, ist doch die Energieerzeugung
mit Wasserkraft eine alternative Form die Reserven an Primärenergieträgern
zu verschonen. Anhand dieses Beispiels soll jedoch einmal aufgezeigt werden,
daß die Ökobilanz nicht so positiv ist, wie es eventuell erscheint.
Eine andere Betrachtungsweise kommt zu ganz anderen Ergebnissen.
Es handelt sich bei dem EQHHPP um ein Projekt, bei dem eine riesige
Fläche überflutet wird und wurde, was einen immensen Eingriff
in die dortige Ökologie bedeutet, wovon Pflanzen und Tiere, aber auch
die dort ansässigen Indianer betroffen sind. Betrachtet man dieses
gesamte Projekt als riesiges Kraftwerk, kann man eine Bilanz aufstellen,
wie hoch die Emissionen eines Stausees sind.
Wo Landschaft überflutet wird, wird auch Vegetation überflutet.
Und diese ertränkten Pflanzen zersetzen sich bei den unter Wasser
begrenzten Sauerstoffverhältnissen nur zum Teil vollständig zu
Kohlendioxid. Der Rest vergärt zum Endprodukt Methan - als Hauptbestandteil
des Sumpfgases. Die klimaerwärmende Eigenschaft des Methans ist sehr
viel größer als dies des Kohlendioxids (70fach, bezogen auf
Gewichtsverhältnisse; 25fach, bezogen auf Molekülmenge).
Nach Berechnungen einer kanadischen Arbeitsgruppe bedeutet eine 50jährige
Nutzung des Sees: Pro Quadratmeter sind in der Vegetation etwa 4,8 kg Kohlenstoff
gebunden. Betrachtet man die Zersetzungsrate und errechnet ein CO2-Äquivalent
für das Methan, so kommt man schließlich auf einen Schätzwert
von 430 - 690 g CO2-Äquivalent pro Quadratmeter und Jahr. Bezieht
man diesen Wert noch auf die Leistung des Kraftwerks, ergibt sich eine
Emissionsrate von Kohlendioxid und Methan, so daß als Fazit gilt:
Dieser See gibt genau so viele Treibhausgase in unsere Atmosphäre
wie ein Kohlekraftwerk. [Fenner, 1997]
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